Geschichte

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Herzlich willkommen bei Linz Textil!

Im Jahr 1838 unter dem Namen „Baumwoll- Gespunstfabrika“ gegründet, feierte die „Linz Textil“ 2013 ihr 175-jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum und die gesunde wirtschaftliche Lage des Unternehmens sind ein erfreulicher Anlass für einen spannenden Blick zurück in die Vergangenheit. Die Entwicklung von den Anfängen der europäischen Textilindustrie zu einem international agierenden Konzern im Zeitalter der Globalisierung ist eine Erfolgsgeschichte mit Vorbildwirkung.

Durch das Zusammenspiel von Tradition, Innovation, Erfahrung und strategischem Weitblick hat das Unternehmen auch schwierige Zeiten gemeistert. Historisch bedingte wie auch branchenspezifische Turbulenzen konnten so im Laufe der Zeit immer wieder bewältigt werden. Heute ist die Linz Textil in den Märkten äußerst positiv positioniert.

Die Innovation der Industrie

Im 18. Jahrhundert stand die textile Produktion noch ganz im Zeichen manueller Produktionsgeräte. Doch der schier unersättliche „Garnhunger der Webstühle“ konnte damit nicht gestillt werden. Das Spinnrad hatte hier rasch ausgedient.

Hargreaves „Spinning Jenny“ (1763), Arkwrights „Waterframe“ (1769) und Cromptons „Mule“ (1770) waren jene Innovationen, die die Produktivität in der Garnherstellung explosionsartig ansteigen ließen. Sie ebneten den Weg zur Industrialisierung der Branche und machten England zum textilen Monopolisten. Österreich hinkte in der Entwicklung weit hinterher. Trotz ihrer marktbeherrschenden Position schafften die großen hier ansässigen Baumwollmanufakturen wie auch die „k.k. priv. Wollzeugfabrik“ in Linz den Schritt zur Industrialisierung nicht.

In Oberösterreich wurde der aus bäuerlichen Verhältnissen stammende Johann Evangelist Grillmayr (1809–1881) zum Wegbereiter der Textilindustrie. Dieser wurde in jungen Jahren als Mitarbeiter der Händlerfamilie Hörzinger zum Garneinkauf nach England geschickt, wo er sich die maschinelle Ausstattung der Fabriken genauestens einprägte. Nach Linz zurückgekehrt errang er die Liebe seiner gerade verwitweten Meisterin Katharina Hörzinger, ehelichte sie und stieg dank ihres Kapitals 1838 in die „Baumwoll-Gespunstfabrika“ seines Freundes Anton Wöss in Kleinmünchen ein. Dies markierte die Geburtsstunde des heute als „Linz Textil“ bekannten Unternehmens. An die hundert Personen wurden beschäftigt, um die zehn großen Spinnmaschinen zu montieren, die von Grillmayr nach englischen Vorbildern selbst konstruiert und gebaut wurden. Es begann ein steiler Aufstieg.

Die Geschichte der Linz Textil:
Die Jahre 1838 bis 1872

Grillmayr baute seine Fabrik Jahr für Jahr weiter aus. Wöss zog sich schon im Oktober des Jahres 1841 aus der Firma zurück, da ihm das energisch vorangetriebene Projekt zu riskant wurde. Grillmayr wurde somit Alleingesellschafter. In seiner sowie den benachbarten Fabriken Dierzer und Rädler standen 2/3 der in Oberösterreich installierten Spindeln. Selbst die Revolution 1848 tat dem Aufschwung keinen Abbruch. Die Betriebsstätten in Kleinmünchen wurden sukzessive ausgebaut. Grillmayr benannte sie nach der Herkunft der Maschinen. Die „Alte Englische“, die „Neue Englische“ und die „Schweizer“ sind noch heute ein Begriff. 1859 wurde eine mechanische Weberei eingerichtet.

Die wirtschaftlich turbulenten 1860er-Jahre sowie die drastische Verteuerung der Rohstoffe, setzten der Textilindustrie zwar zu, konnten den Aufstieg allerdings nicht stoppen. Hier entschloss sich Grillmayr, sein Unternehmen an der Börse zu notieren. Die „Actiengesellschaft der Kleinmünchner Baumwollspinnereien und mechanischen Weberei“ übernahm mit einem Aktienkapital von 1,5 Millionen Gulden die Fabriken und Liegenschaften in Kleinmünchen und St. Peter aus dem Besitz von Johann Grillmayr & Söhne. Doch der Wiener Börsenkrach am 9. Mai 1873 machte Grillmayr einen dicken Strich durch die Rechnung. Nur mit knapper Not gelang es ihm, unter Einsatz enormer Privatmittel die Gesellschaft zu retten. Sein Tod im Jahre 1881 beendete den direkten Einfluss der Familie Grillmayr in der "Actiengesellschaft der Kleinmünchner Spinnereien und Weberei."

Die Jahre 1872 bis 1945

Dank Johann Grillmayrs beherztem Eingreifen konnte die neu gegründete "Actiengesellschaft der Kleinmünchner Baumwoll-Spinnereien und mechanischen Weberei" ihr erstes Jahr und den Börsencrash überstehen. Die Gründungsbank und Hauptaktionärin, die Industrie- und Commerzialbank für Oberösterreich und Salzburg hingegen überlebte die Krise nicht. In den nächsten zwei Jahrzehnten zwischen 1873 und 1896, die in die österreichische und europäische Wirtschaftsgeschichte als „große Depression“ eingegangen sind, konnte sich die "Kleinmünchner Actiengesellschaft" hervorragend weiterentwickeln. So wurde beispielsweise 1907 die Kunstmühle Löwenfeld & Hofmann erworben und in die Mühlenspinnerei umgebaut. Seit dem Ausscheiden Grillmayrs prägten besonders Generaldirektor Carl Reichel (1894–1910) und der technische Direktor Ludwig von Gallois (1890–1928) den Betrieb. In ihre Zeit fallen z.B. auch soziale Errungenschaften wie der Werkswohnungsbau „Aschensiedlung“. Den Ersten Weltkrieg und den Zerfall der Donaumonarchie bewältigte die "Kleinmünchner" mit strategischen Investitionen (1917: Dierzer und Weberei Reutte).

Dass sich die wirtschaftliche Situation des Unternehmens im Verlauf der Zwanzigerjahre recht turbulent gestaltete, ist angesichts der politischen Rahmenbedingungen nicht weiter verwunderlich. Dennoch zählte die "Kleinmünchner" stets zu den größten Arbeitgebern in Linz und war 1937 der größte Industriebetrieb der Stadt. Doch 1938 änderten sich die Vorzeichen grundlegend. Mit dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich sollte Linz als „Patenstadt des Führers“ zur Metropole ausgebaut werden. Das wirtschaftliche Rückgrat sollte die Eisen- und Stahl- (u.a. „Reichswerke Hermann Göring“), nicht aber die Textilproduktion bilden. Die "Kleinmünchner" musste somit Gründe und das Werk Zizlau abtreten und hatte immer mehr mit kriegswirtschaftlichen Einschränkungen für den Konsumgüterbereich zu kämpfen. 1938 brachte auch eine Veränderung der Aktiengesellschaft.

Das als jüdisch eingestufte Bankhaus Stern & Sohn hatte bis dahin rund 4.000 der 20.000 Aktien besessen, die nun von der Creditanstalt übernommen wurden. Diese stockte ihre Anteile bis Mitte 1940 auf 11.200 Aktien (56 %) auf und verkaufte dieses Paket an die Vereinigte Färbereien AG in Wien, die wiederum zu 100 % im Besitz der Schweizerischen Druckereien und Färbereien Trust AG in Chur/Schweiz, stand. Auf diese Art zu einem Schweizer Unternehmen geworden, genoss die Kleinmünchner in den chaotischen Nachkriegstagen einen besonderen Schutz durch die Alliierten, nachdem der Betrieb durch Bombentreffer 1944/45 schwer gelitten hatte. Im Mai 1945 waren von den vormals 1.400 Beschäftigten nur 176 verblieben. Die Weberei war zur Gänze und die Spinnerei zum Großteil stillgelegt. In den Hallen war eine Betonplattenerzeugung eingerichtet worden, während die Webstühle im Keller lagerten. Doch man schritt mutig zum Neubeginn und legte große Hoffnungen in Dr. Robert Thyll, den Exponenten der Druckereien und Färbereien Trust AG. „Neubau statt Wiederaufbau“ lautete das Motto.

Die Jahre 1945 bis 1977

Trotz ungünstiger Voraussetzungen und der Beschädigung mehrerer Betriebsstätten gelang es der "Kleinmünchner", die Produktion schon drei Wochen nach Kriegsende wieder aufzunehmen. Die 1942 behördlich stillgelegte Weberei wurde dank der im Keller gelagerten Webstühle reaktiviert. Ebenso lief die Weberei Reutte an. Bereits im Frühjahr 1946 begann das Unternehmen trotz Materialmangels, aber mit Hilfe von ERP-Mitteln mit dem Neubau einer Großhalle (Shedhalle) samt Verwaltungsgebäude. Auch die ausgebombten Kraftwerke Zizlau und Kunstmühle wurden wieder in Gang gesetzt. Die Aufbauleistung der Nachkriegsjahre war enorm und ermöglichte moderne Produktionsformen. Als jedoch der erste (inländische) Textilhunger ab 1950 befriedigt war, begann mit der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, der Österreich nicht angehörte, eine schwierige Zeit. Die Exporte stagnierten oder entwickelten sich sogar rückläufig. Ab 1955, in der klassischen Zeit des Wirtschaftswunders, schrieb das Unternehmen im operativen Bereich tendenziell Verluste, ab 1960 über 20 Jahre permanent.

Zwar schrumpfte die Beschäftigtenzahl mit der fortschreitenden Rationalisierung, doch der Produktionsanstieg fiel bescheiden aus. Die Lage der "Kleinmünchner" war ernst und der Gesamtkonzern dazu ein recht komplexes Geflecht von Gesellschaften. Zudem prägten zahlreiche Aktionärsklagen die 1960er-Jahre. Die Verluste konnten nur durch Veräußerung von Grundstücken halbwegs abgedeckt werden. Auch das bereits begonnene Kraftwerk Kleinmünchen wurde an die ESG verkauft.

Man war Mitte der 1970er-Jahre am Entscheidungspunkt angelangt, entweder eine grundlegende Neuausrichtung des Unternehmenskonzepts zu vollziehen oder die Stilllegung und Verwertung der wertvollen Grundreserven und Wasserrechte zu veranlassen. So wurde 1972/73 mit einem umfangreichen Investitionsprogramm zur Modernisierung der Spinnerei begonnen. Trotz aller Anstrengungen: Noch 1977 schrieb das Unternehmen rote Zahlen.

Die Jahre 1977 bis 2013

Mitte der 1970er-Jahre wurden die Liquiditätsengpässe zu einem existentiellen Problem und die Konzernreserven waren durch die Verlustabdeckung der vergangenen Jahre bereits fast aufgebraucht. Bei Lieferanten entstand Unruhe. Um das Steuer in letzter Minute herumzureißen, war man zu massiven Strukturveränderungen bereit. Dr. Dionys Lehner, der im Juli 1976 in den Aufsichtsrat berufen worden war, wurde mit Wirkung 1. September 1977 zum Vorsitzenden des Vorstands gewählt. Sein Ziel war, das Unternehmen wieder in die schwarzen Zahlen zu führen. Dafür standen Lehner lediglich zwei Jahre zur Verfügung.

Kernpunkte seines Management-Konzepts waren eine neue Fremdkapitaldoktrin. Schulden wurden nicht mehr als eine durch Inflation verstärkte Investitionschance gesehen. Außerdem folgte eine strategische Konzentration auf das textile Halbfabrikat, das über die Segmente, Garne und Rohgewebe hinausgehen sollte. Weitere zentrale Aspekte der Neuausrichtung waren der neue Name „Linz Textil AG“ und ein massiver Expansions- und Akquisitionskurs:

  • 1982 Spinnerei Felixdorf
  • 1984 Weberei Telfs
  • 1985 Spinnerei Matrei
  • 1987 Weberei Reutte (aus dem Konzern)
  • 1992 Spinnerei Klarenbrunn
  • 1994 Spinnerei Landeck

Neben dem organischen Wachstum der Linz Textil nach außen hat das Unternehmen seinen Betrieb durch Neubauten erweitert und aus eigener Kraft finanziert. Das Investitionsprogramm umfasste unter anderem die Erneuerung und Mengenerweiterung der Rohweberei Linz 1981 und die Erweiterung der Spinnerei Linz durch eine moderne Open-End-Spinnerei. 1990 erfolgte zudem eine maschinelle Kompletterneuerung der Shedspinnerei am Standort Linz. Zugleich sah sich jedoch die österreichische Textilindustrie mit immer größer werden dem Konkurrenzdruck aus Asien konfrontiert. Angesichts der Fakten beschloss die Linz Textil, ihren Expansionskurs aufzugeben und die Eigenkapitalquote drastisch zu erhöhen. Außerdem war Vorstandsvorsitzender Dr. Lehner schon Ende der 90er-Jahre überzeugt, dass eine wirtschaftliche Großkrise, so sie kommen würde, die Wirtschaft unvorbereitet treffen würde. Die Linz Textil sollte dafür aber gerüstet sein.

Aufgrund der guten Vorbereitung gelang es Linz Textil trotz Krise, mit den Standorten Klanjec/ Kroatien (2002) und Nanjing/China (2009), Produktionskapazitäten mit niedrigeren Kostenstrukturen aufzubauen. Die 2004 erworbene Marke VOSSEN mit Produktionsstätten in Jennersdorf und St. Gotthard/Ungarn sollte die Produktpalette um Frottierwaren erweitern. Drei durch Brandstiftung ausgelöste Großbrände zerstörten im Dezember 2009 und Jänner 2010 die gesamte Logistik der Spinnerei. Der Wiederaufbau stand außer Frage und wurde mit ambitionierten Projekten vorangetrieben. So wurde etwa das komplette Vorwerk erneuert sowie eine moderne Luftdüsenkapazität mit Rieter-J20-Maschinen für Viskosegarne aufgebaut. Die Investitionen verliehen dem Unternehmen die nötige Flexibilität in einer teils labilen Marktsituation. Die Textilindustrie gehört zu den am stärksten globalisierten Branchen weltweit. Dennoch konnte sich die Linz Textil auf den internationalen Märkten behaupten.

Ab 2013

Das 175-jährige Bestehen der Linz Textil wurde 2013 im Rahmen einer feierlichen Gala am Standort Linz begangen. Zahlreiche Geschäftspartner sowie Gäste aus Wirtschaft und Politik konnten zu diesem Jubiläum begrüsst werden.

Im Jahr 2015 erfolgte eine Großinvestition im Bereich ultrafeine Baumwollgarne am Standort Landeck. Diese konzeptionelle Neuausrichtung stellte zur damaligen Zeit das wohl umfassendste Investitionsprojekt im Ringspinnbereich in Europa dar. Ein großer Teil der in der Spinnerei Landeck produzierten Garne wird von unserem Kunden zu Afrika-Damast verwoben. Dies ist jener Stoff, aus dem das traditionelle westafrikanische Kleidungsstück, der sogenannte „Boubou“ (siehe Bild rechts) hergestellt wird.

Das chinesische Tochterunternehmen, Linz (Nanjing) Viscose Yarn Co. Ltd., welches in Nanjing eine Viskosespinnerei betreibt, wurde im Jahr 2016 an einen strategischen Partner aus China verkauft.

Die Spinnereiproduktion am Standort Linz wurde mit Ende Mai 2018 teilweise zum kroatischen Tochterunternehmen Predionica Klanjec d.o.o. verlagert. In dieser hochmodernen Produktionsstätte stieg die Garn-Produktionskapazität damit von 7.130 auf 10.000 Jahrestonnen.

Buch zum Jubiläum “175 Jahre Linz Textil 1838 - 2013“

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